Dar wir
weiterhin unserer Linie treu bleiben und Kampfkünste wiederdeleben
bzw. ins rechte Licht rücken möchten, kommen wir diesmal nicht daran
vorbei, Ihnen die westliche Kampfkunst des Kanarischen Stocks im
Allgemeinen (eine ureigene Spanische Kunst) und den Stil der Familie
Acosta im Besonderen vorzustellen.
Wie so oft in der
Geschichte, wurde ein Familienstil dank eines außergewöhnlichen
Mannes aus der Taufe gehoben, und dieser fungierte wie eine Brücke
zwischen der Vergangenheit und der Zukunft.
Herr
Marino ist ein einfacher und sehr bodenständiger Mann. Sein stolzer
Block verbirgt nicht den Charakter des Kriegers, und er ist ein
ausgesprochen redefreudiger, sympathischer und geselliger Mensch.
Aus bescheidenen Verhältnissen und einer fleißigen Familie stammend,
hat er die natürliche Weisheit jener übernommen, die mit der Natur
und in der Natur leben, anstatt sich über diese zu erheben. Die
gegerbte Haut und das spitzbübisches Lächeln seiner intensiv
blickenden Augen zeigen einen Mann mit Herz, Verstand und
ausgeprägtem Rechtssinn. Ein Juwel von Person, die mich sofort in
ihren Bann zog.
Sein Stil ist
einzigartig. Er benutzt einen kürzeren und leichteren Stock als
andere Schulen, was nicht nur einen kräftigen Rhythmus der
Bewegungen zur Folge hat, sondern auch eine größere Effizienz bei
Angriffen und Verteidigungen. Die Stocksequenzen, denen sich diese
Kämpfer aussetzen, lassen vielen Fechtern die Haare zu Berge stehen,
auch wenn diese International bekannter sind.
Es handelt sich um
einen Stil, der weit über die Folklore und Kuriosität hinausgeht.
Wir sprechen über eine Kampfkunst, in der die Aufgabe heißt, den
Gegner zu besiegen.
Wir machen an
dieser Stelle also alle liebhaber des Stockkampfes aufmerksam - und
keiner soll sagen, dass wir Sie nicht gewarnt haben! Gebt acht, wenn
Ihr auf einen Kämpfer dieser Schule trifft! Hier....wird richting
zugehauen!
Alfredo Tucci
Directtore
Editoriale
BUDO INTERNATIONAL
Kanarischer Stock.
Familie Acosta von Teneriffa.
Eine Dynastie, Drei
Jahrhunderte, Eine Tradition.

Die Kunst des Fechtens
mit dem Stock ist eine der herausragenden dinge der Volkskultur der
kanarischen Inseln. Seit die ersten Siedler der Inselndiese Kunst
ausführten, wurde sie erhalten und weiter vererbt.
Diese Jahrtausende
alte Kunst, einen Mischung aus Kampf und Folklore, sowie der Kultur
der Ureinwohner (der Guanches; Anm. der Redaktion) hat sich
mittlerweile in ein authentisches Symbol der Identität des
Kanarischen Volkes verwandelt. Es ist eine Kunst, die sich als
derzeit noch wenig ausgeübte Sportart im Aufwind mit großen
Zukunftsaussichten befindet und ein lebendes Beispiel der
Beständigkeit dieses Volkes darstellt, das seine Traditionen am
Leben erhält.
Viele Chroniken aus
der Zeit der Conquista (Eroberung) der Kanaren vor dem 15.
Jahrhundert sprechen von ihren Angriffs- und Verteidigungstechniken.
Die Stöcke wurden im Feuer gehärtet, und hinterließen blutige Spuren
bei den Spanischen Truppen, die sersuchten, die Inseln zu
kolonisieren. Nach deren Unterwerfung und Eingliederung ins
Königreich Kastilien, verschwand der Gebrauch des Stocks durch die
Verbote, welche die neuen Gouverneure erließen für einige Zeit,
wollte man doch verhindern, dass sich die Einwohner mit den Stöcken
in den Gemeinden und Städten trafen. Doch die Landbevölkerung übte
sich weiterhin im Gebrauch des Stocks zur Selbstverteidigung, um
Problemen bezüglich Eigentumsanspruch und Weidegründe zu begegnen,
oder aber den Mut eines Störenfrieds abzukühlen und so die Probleme
auf eigene Faust zu lösen. So war es Sitte, dass sich die Knechte
jeder Familie trafen, um ihre Geschicklichkeit mit dem Stock auf den
Dorffesten unter Beweis zu stellen. Oftmals mussten sie für
Familienstreitigkeiten in richtigen Duellen herhalten Selbst wenn an
jedem Ort gekämpft werdwn konnte, so war das Dorffest doch der
beliebteste Ort dafür, konnte man doch auf diese Art und Weise
erlittene Schmach auslöschen, seine Männlichkeitunter Beweis stellen
oder aber um die Gunst einer Frau ringen. Und so heißt es, dass es
für viele jener Männer "kein richtiges Fest war, wenn es keine
Kämpfe auszutragen gab".
Die Zeit verging und
die Landbevölkerung hütete eifersüchting ihre Kenntnisse im Schoße
ihre Familien. Über vier Jahrhunderten hinweg vermittelten die
Großväter ihr Wissen an die Enkel und diese wiederum an ihre Söhne.
Marino Acosta Armas erbte diese Kunst von seinen Vorfahren, die
Experten darin waren. Seine Familie stand immer in Verbindung mit
allen Dingen, die als "Kanarisch" bezeichnet werden und noch immer
sind: Ringen, Hunde- oder Hahnenkämpfe - und wie könnte es nicht
anders sein: dem Stockkampf! Die Zeit hinterließ ihre Wirkung und so
wurde Marino zum besten Kämpfer des traditionellen Familienstils der
Acosta auf Teneriffa. Der Stil wird als einer der schnellsten und
härtesten Stile angesehen.
Jeder Familienclan
entwickelte einen eigenen Stil, um den Stock zu gebrauchen. Einige
waren spezialisiert auf die lange Distanz, andere auf die kurne, und
wieder andere übten sich darin, um gegen Blankwaffen zu bestehen.
Derzeit sind folgende Stile bekannt: Deniz, Verga, Morales,
Garafiano, Vidal, Conejero, Quintero und der Acosta.
Jeder der Stile zeigt
andere Techniken. Dieser technische Reichtum und die Vielfältigkeit
der Schulen und Stile sind Teil der großen Kultur und des
kriegerischen Erbes der Kanaren.

Viele Kaampfkünstler
Europas haben von den Künsten, die man auf den Kanarischen Inseln
auszuüben pflegt, gehört. Die lautgewordenen Kommentare scheinen
derzeit das Einzige zu sein, das auf die Existenz des Kanarischen
Stock-kkampf hindeutet. Vielleicht liegt dies an der Tatsache, dass
es keine asiatische Kampfkunst ist, und dass es keine graphischen
oder audiovisuellen Aufzeichnungen gibt. Diese Kampfkunst schaffte
es nicht, das Interesse der Gemeinde der Kampfkünstler zu wecken,
denn niemand konnte sich vorstellen, dass nur wenige Kilometer von
der Iberischen Halbinsel entfernt Meister existieren, die uralte und
doch intakte Kampftecchniken auf hohem Nivea beherrschen. Viele sind
der Ansicht, dass alles was weit weg ist, besser ist als das, was
sich in der Nähe befindet. Ein Beispiel dafür ist eben der
Kanarichen Stock, der sich zwar in unserer Nähe befindet, aber
dennoch für viele ein Unbekannter ist. Es gibt Hinweise darauf, dass
man durch die ausgewanderten Kanarier schulen auf Kuba und in
Venezuela gründet, und daher ist es schwer zu verstehen, dass diese
Kunst in weiten Teilen Spaniens völling unbekannt ist. Einige
Meister, die nach Kuba auswanderten, um auf den Plantagen zu
arbeiten, erzählen, dass viele Kubaner die Kunst des Stockkampfes
erlernen wollten. Die Neuankömmlinge von den Kanaren verweigerten
sich aber den Bitten der Kubaner, denn der Stock war die einzige
Möglichkeit, sich gegen die kubanischen Macheten verteidigen zu
können. Daher hatten die Kubaner auch so großen Respekt vor ihnen.
Die Meister lehrten
innerhalb ihrer Familie und nur sehr selten auch ihnen persönlich
nahestehenden Personen, wussten sie doch, dass eine Person, die den
Stock sehr gut beherrscht, leicht gegen drei oder vier Menschen
kämpfen kann, und somit auch gegen den eigenen Lehrmeister. Gab es
Schüler, die zu ungeduldig waren, wurde ihnen nichts mehr gezeigt,
war man doch der Ansicht, dass jener "nur kam, um zu wissen". Die
Meister wussten, dass die Techniken in den Händen eines unreifen
Schülers, der nicht den nötigen respekt und die Spiritualität
mitbrachte, auf unehrenhafte und ungerechte Weise eingesetzt wenden
könnten. Für viele von ihnen galt das Gesetz, dass "die Kraft ohne
Spiritualität nur fohe Kraft ist".
Bei den Meistern
handelte es sich meist um sehr verschlossene Menschen, die
zahlreiche Techniken nie an lhre Schüler weitergaben, damit sie
diese dann in brenzligen Situationen einsetzen und erfolgreich aus
dem Kampf hervorgehen konnten. Es handelte sich also um das berühmte
Ass im Armel, bestand doch immer die Gefahr, dass der Schüler seinen
Meister übertrumpfen wollte. Diese geheimen Schlagtechniken mannte
man "La ultima Punta" (der letzte Punkt), und man sagte: Den letzten
Punkt unterrichtet man niemandem.
So wurde schrittweise
und langsam unterrichtet, und man lies meist die favorisierte
Technik des Meisters außen vor. es stimmt, dass die Welt des
Kanarischen Stoks Mysteriös erscheint, gibt es doch viele Legenden
und Geschichten, Aberglaube und Mißes doch viele Legenden und
Geschichten, Aberglaube und Mißtrauen. Das Üben mit dem Stock war
mit dem Gedanken an den Kampf verknüpft, und darüber hinaus war
dieses Instrument auch noch verboten und wurde verfolgt. Daher zogen
es die Meister vor, im Geheimen zu üben, und verbargen so
vollständingihr Können und Wissen.
Es ist erstaunlich,
wie auf diese Art und Weise auf allen Kontinenten zahlreiche
Kampfstile entwickelt wurden. Jeder Stil hat seine Besonderheiten
und Stärken, aber alle haben gemeinsame philosophische Aspekte. Der
Kanarischen Stock ist in dieser Kriegstradition keine Ausnahme. So
wie andere Künste, zählt auch hier die Figur des Meisters, eine
Überlieferung innerhalb der Familie, eine eigene NomenKlatur,
traditionelle Kleidung und vor allem eine Philosophie des Respekts
und Okkultismus der Tradition. So verwundert es nicht, ass die
Meister immer nur einige wenige Schüler auswählen, um ihnen ihr
Wissen mitzuteilen.
Die Dynastie der Acosta.
Des Ursprung des
Stiles Acosta scheint der Gemeinde La Esperanza (die Hoffnung),
Teneriffa um das Jahr 1800 zu liegen. Es handelt sich um eine
Weiterentwicklung des sogenannten Stockspiels jener Gegend, das
verloren gegagen scheint. Die Weiterentwikklung wurde durch die
Auswanderung einiger "Spieler" (Stockkämpfer) möglich, die den Kampf
in der Nahdistanz aufnahmen, um sich gegen Blankwaffen besser
verteidigen zu können. Die ältesten bekannten Meister sind Don
Florentin Vera, Maximiliano Hernández Acosta, Leopoldo Acosta und
Don Polo Acosta, geboren 1908. Diese gaben ihre Kunst an ihre Söhne
Ramón Hernández Acosta (Sohn von Maximiliano) und Santos Acosta
Acosta (Sohn von Don Polo) weiter, der aufgrund einer
tragischen
Körperbehinderung das Erbe wiederum an seine Brüder Pedro Acosta und
Anastasio Acosta (Tato) weitergab. Der jüngste Bruder sah sich durch
einen Arbeitsunfall ebenfalls einer schweren Körperbehinderung
ausgesetzt.
Der Familienstil
wartete nicht, bis der Diktator Francisco Franco verstarb, um aus
dem begrenzten und sehr verschlossenen Kreis der Familie
auszubrechen. Die aktiven Familienmitglieder trafen sich, um Fehler
zu korrigieren, die Techniken und Übungen zu verbessern und die
Bewegungen zu präzisieren, um andere Spieler übertrumpfen zu können.
Ende 1978 beschloß
Marino Acosta zusammen mit seinem Vetter Pedro Acosta Acosta (ein
weiterer Sohn von Don Polo) eine Gruppe von Schülern zu unterrichten,
die keine Bande zu den Familien hatten. So wurden sie zu den ersten
Meistern, die den Stil aus dem Schoß der Familie hinaustrugen, eine
Neuheit, die garantierte, dass der Stil am Leben erhalten wurde.
Seitdem wurden in verschiedenen Gemeinden Teneriffas Schulen
gegründet, wie z.B. die Campitos, die persönlich von Don Marino und
seinem Vetter Pedro geleitet werden.
Man findet Schulen in
Valle de Guerra, Las Mercedes, Arafo, Santa Cruz de Tenerife, Puerto
de la Cruz und seit kurzem auch in Cartagena (Murcia), wo die erste
Schule entstand, die nicht von Alfonso Acosta selbst geleitet wird,
der in Murcia geboren wurde und von den Kanaren stammt. Auch wenn
der Stil in der Vergangenheit vom Aussterben bedroht war, so ist er
heaute doch bei Marino, seinen Kindern und einer Gruppe von Schülern
in den besten Händen, die sich voll und ganz dafür einsetzen, dass
der Stil in all seiner Reinheit vermittelt wird.
Charakteristiken des Stiles
Acosta.
Der Stil zeichnet sich
besonders durch die antiken Techniken des Kurzstocks aus, wodurch er
sich von den anderen Stilen der Inseln unterscheidet. Der von
anderen Stilen verwendete Stock wird Langstock genannt, mit welchem
nicht die einzigartigen und sehr verschiedenen Techniken des hier
beschriebenen Kurzstocks ausgeführt erden können.Der Kampf mit dem
Kurzstock charakterisiert sich u.a. durch seine spezielle
Griffhaltung, das fast völlige Fehlen der Recogidos (weite und
rundeTechniken), sowie durch die große und weiträumige Beinarbeit
(Cuadras) und die Sprünge. Es dominiert die Nahdistanz und das
Agachado (techniken die von unterher eingeleitet werden). Häufig
gibt es Atajado Pleno (blocks gegen den gegnerischen Stock) und man
wechselt nicht die Waffenseite, sondern führt den Stock durch Atajao
oder Dentro (von vorn und unter den Körper des Spielsers) von einer
Deckung zur nächsten.
Auch wenn jeder
Meister des stils der Acosta durch seine eigentümliche Handhabung
des Stocks berühmt war, so hat doch Don Leopoldo Acosta (Don Polo)
den Stil so beeinflusst, dass er seinen aggressiven und schnellen
Ruf bekam. Er kämpfte gewöhnlich sehr geduckt ("agachado"). Er
begann die Kämpfe mit einem Knie auf dem Boden (oder gar mit
beiden), und von dieser Position aus schlug und stach er zu, wodurch
er den aufrect stehenden Kämpfern große Schwierigkeiten bereitete.
Wollte dieser eine Technik anbringen, kamer nicht umhin, die Arme zu
öffnen, wodurch man nach innen einsteigen und den Gegner überraschen
konnte. Darin war Don polo wahrlich ein Experte. Einige Spieler, wie
z.B. Carlos Darias - der erste Meister, der nicht dem
Familienstammbaum angehört - behalten diese eigentümliche Kampfweise
von Don Polo noch immer bei. Wer ein Knie zur Erde bringt, ist
besser geschützt, generiert mehr Gefahr und kontrolliert außerdem
den Gegner.
Ist Don Polo als der
Charismatischste Meister des Stiles bekannt, so ist Don Marino doch
der beste aller Lehrer, um das wissen um die Angriffswinkel, die von
den jüngeren Spielern vergessen wurden, und das als "juego por
arriba" (Oberes Spiel) bekannt ist, zu lehren, ES ist nicht etwa so,
dass den alten Meister (Don Polo und Don Maximiliano) dieses nicht
bekannt gewesen wäre, aber sie führten es einfach nicht aus. Früher
wurde eben unter den Stilen gekämpft, und so hat jeder seine Technik
persönlich ausgebaut.
Die Schüler aus der
Schule von Marino Acosta und einige der Familienmitglieder, die
heute spielen, erlernen zu Beginn das Prinzip des Respekts und der
Schuld, die zwischen ihnen und Santos, Pedro und Marino Acosta
existiert, und jedem anderem Meister auch, der einen Großteil seines
Lebenswidmete, um den Stil zu verbreiten bzw. zu verbessern. Dieser
Artikel soll als Widmung und Anerkennung all jener Menschen dienen.
Der Kanarischen Stock
ist eine ritterliche Kunst, die auf den menschlichen Werten basiert.
Die Ausübung und Erhaltung lässt uns nicht nur mehr Kanarier,
sondern auch bessere Menschen werden.
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